Ein unerwartetes Projekt - ein Beichtstuhl wird restauriert
(aufgeschrieben von Hans Leitenmaier, Schreinerei Leitenmaier) Es ist schon einige Jahre her, dass „Josefe Mang“ (Magnus Nöß aus Pfronten-Steinach) mit seinem Auto in meinem Hof stand. Auf dem Anhänger lagen eine Anzahl reparaturbedürftiger Holzteile. „Do misset mir amol ebbas druß moche“, sagte Mang zu mir, und so landeten die Teile erstmal in meinem Holzlager. Unglaublich aber wahr, bei den Holzteilen handelte es sich um einen alten Beichtstuhl, den Mang vor dem Versägen gerettet hat.
Der Beichtstuhl, der in meinem Holzlager lagerte, ließ mir keine Ruhe mehr, und so fragte ich unseren damaligen Pfarrer Leumann, ob er nicht eine Idee hat, wo so ein alter Beichtstuhl in Pfronten einen Platz finden könnte. Da er aber momentan keinen Bedarf für einen Beichtstuhl sah, blieben die Teile vorläufig einfach weiter in meinem Holzlager liegen.
Nach dem plötzlichen Tod von Mang im Februar 2016, erinnerte ich mich an seine Worte „..ebbas druß moche“. Ich holte die Teile aus dem Holzlager in die Werkstatt und sortierte sie, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen. Ich kam zu dem Ergebnis, das eine Restaurierung möglich ist und bat meinen Schreinerkollegen Erwin Eberle, mir bei der Restaurierung zu helfen. Er sicherte mir sofort seine Unterstützung zu. Auf seine Frage, in welcher Kirche wir den Beichtstuhl aufstellen würden, antwortete ich philosophisch „I weiß it, aber do wer mer sichr a würdigs Plätzle finde“. So begannen wir mit der Arbeit an dem Beichtstuhl. Dabei kreisten unsere Gedanken die ganze Zeit um die Frage, in welcher Kirche in Pfronten oder Umgebung der Beichtstuhl einen Platz finden könnte.
Um diese Zeit begann gerade die Restaurierung der Kirche St. Leonhard in Heitlern. Ich sprach mit Pfarrer Leumann, ob der Beichtstuhl nicht dort einen Platz finden könnte, da ich den vorhandenen Beichtstuhl als nicht so ge-lungen betrachtete. Da er meine Idee gut fand, begann ich sofort damit eine Fotomontage zu fertigen, in der ich den Beichtstuhl in die Heitlerner Kirche integrierte. Mit dieser Fotomontage konnten wir sowohl die zuständige Architektin als auch den leitenden Restaurator überzeugen.
Schon bei der ersten Sichtung der Teile war uns klar, welches Juwel uns da Mang gebracht hatte. Die alte Schreinerarbeit aus massiver Eiche mit feinen Schnitzereien haben uns in Ehrfurcht vor der alten Handwerkskunst gesetzt. Wenn man bedenkt, dass es vor ein paar hundert Jahren noch keine Maschinen zur Bearbeitung, und auch noch keinen Leim gab, d.h. eine exakte Verarbeitung war Voraussetzung, um die Einzelteile zusammen-zufügen. Auch die aufwändigen Schnitzereien, welche in sich schlüssig, aber nicht spiegelgleich sind, zeugen von höchster Handwerkskunst. Ein Beichtstuhl in dieser Qualität wäre heute kaum mehr bezahlbar und viel-leicht auch nicht mehr machbar, da inzwischen sehr viel an handwerklicher Fertigkeit verloren gegangen ist.
Insgesamt gestaltete sich die Restaurierung aufwändiger als wir uns gedacht hatten und nach einigen Teilreparaturen zeigte es sich, dass einige Ergänzungen notwendig waren. Wir ersetzten die fehlenden Teile und waren uns dann schnell einig, dass der Beichtstuhl künftig auf eine Podest gesetzt werden musste.
So werkelten wir weiter, und leimten die einzelnen Teile in wochenlanger Kleinarbeit zusammen. Die fehlenden geschnitzten Stellen ersetzten wir, indem wir diese nachschnitzten. So entstand der Beichtstuhl nach und nach in seiner alten Pracht, und wir freuten uns jeden Abend über die gelungene Arbeit.
Nun mussten wir den fertigen Beichtstuhl aber wieder zerlegen, um die neuen Teile dem alten Farbton anzupassen. Wir wuschen und putzten die alte Farbe ab und nach einigen Schleifarbeiten konnten wir alles neu beizen. Auch die teilweise abgegangene Goldfarbe musste ersetzt werden. Am Ende wurde der ganze Beichtstuhl zum Schutz noch komplett neu geölt.
Nach dem Zusammenbau sollte noch ein Vorhang angebracht werden. Wir gingen zu Schmiedemeister Philipp Trenkle und baten ihn um die Unter-stützung für eine geschmiedete Vorhangstange. Er willigte sofort ein, und in kürzester Zeit hatten wir eine Vorhangstange.
Als die Renovierungsarbeiten in St. Leonhard abgeschlossen waren, bauten wir den alten Beichtstuhl aus und den restaurierten Beichtstuhl an dessen Stelle auf einem Podest wieder ein.
Am Ende möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken. Bei unserem Pfarrer Leumann für das offene Ohr und dem Vertrauen, das er uns entgegengebracht hat, des weiteren danke ich meinem Kollegen Erwin für die fachliche und handwerkliche Unterstützung, sowie allen, die in irgendeiner Weise an der Restaurierung beteiligt waren. Ich bin mir sicher, dass unser gemeinsames Wirken zur Ehre Gottes beiträgt und der Beichtstuhl in St. Leonhard einen würdigen Platz gefunden hat.
Oben links: Seitlicher Rückwandabschluss mit aufwändigen Schnitzereien.
Oben rechts: Verleimung einer profilierten Abschlussleiste.
Mitte: Aufbau des rechten Teilstücks mit Kniebank. Am hellen Holz erkennt man die fehlenden, jetzt ergänzten Teile.
Unten links: Anpassung der restaurierten Teile an die alte Farbgebung. Dieser Arbeitsgang muss mehrmals wiederhoilt werden, dazwischen liegen immer wieder Trocknung und Zwischenschliff.
Unten rechts: Probeaufstellen des fertig restaurierten mit seinem neuen Sockel. Auch hier die deutlich sichtbar ergänzten Teile.
Oben links: Der fertig gebeizte Beichtstuhl und mit Goldlack versehenen Profil-kanten. Der obere profilierte Rückwandabschluss musste komplett neu erstellt werden
Oben rechts: Hans Leitenmaier als "Vergolder".
Rechts miitte: Der ursprüngliche Beichtstuhl.
Unten links: Sitzprobe durch Schreinermeister Erwin Eberle.
Unten rechts: Der jetzige Zustand mit dem restaurierten Beichtstuhl.
Text: Hans Leitenmaier und Eugen Keller (Bilder von Hans Leitenmaier)